|
Datum:
September 1996
Ufo-Loopings
über Tel Aviv
Invasion
von Außerirdischen bestimmt die Schlagzeilen in Israel / Angeblich
16 Fälle
Tel
Aviv(ap). Es ist zwar nicht diese Invasion, vor der Israel sich am meisten
fürchtet, aber immerhin: Außerirdische beherrschen derzeit
die Schlagzeilen im Heiligen Land. Es gibt eine Flut von Medienberichten
über Ufos, Entführungen durch Aliens in eiförmigen Raumschiffen.
"Die
große Invasion" überschrieb die Tageszeitung "Maariv"
eine Liste von 16 Fällen, bei denen angeblich in den letzten drei
Monaten Ufos beobachtet wurden. In der vergangenen Woche berichtete "Maariv",
Hunderte Menschen hätten auf der Autobahn angehalten, um ein außerirdisches
Raumschiff zu beobachten, das im Morgengrauen Loopings über Tel Aviv
flog.
Ein
62jähriger Mann, der angeblich von Außerirdischen auf dem Weg
zur Post entführt worden war, wurde von Fernsehen und Radio interviewt.
Die Zeitungen machten zum zweiten Mal innerhalb einer Woche mit der Geschichte
auf, als eine Laboranalyse ergab, daß der gelbe Staub, mit dem er
von seinen Kidnappern überschüttet worden sein will, sich von
allen Bodenarten der Region unterscheidet.
Skeptiker
glauben die Israelis seien schlicht und einfach von der Welle der USPopkultur
mitgerissen worden. Der Kinofilm "Independence Day" über
eine Alien-Invasion ist ein Renner. Und die Serie "Akte X "
die von übernatürlichen Phänomenen handelt, gehört
zu den beliebtesten Fernsehsendungen in Israel.
>Ich
halte das hier für "hysterisches Benehmen ", sagt Ariel
Cohen von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Der Wissenschaftler
ist für die Untersuchung der Atmosphäre zuständig. Die
Analyse von Videomaterial über angebliche Ufo-Beobachtungen habe
ergeben, daß die Kameraleute ihre Geräte einfach so eingestellt
hätten, daß die Objekte unnatürlich ausgesehen hätten.
Andere Skeptiker erinnerten daran, daß sich im israelischen Luftraum
eine geheime - aber irdische - Luftwaffe bewegt. Dennoch hält Cohen
es für vernünftig, daß die Behörden die Fälle
untersuchen und die wissenschaftlichen Erklärungen veröffentlichen,
die fast immer gefunden werden.
Sozialwissenschaftler
sind unterdessen von der Aufruhr fasziniert. Der Psychologieprofessor
Benjamin Beit Hallahmi von der Universität Haifa glaubt, die Menschen
in den modernen Gesellschaften seien besonders empfänglich für
fast-religiöse Phantasien mit der Botschaft: "Wir sind nicht
allein." Die Israelis, die unter der latenten militärischen
Bedrohung durch ihre arabischen Nachbarn leben, seien sehr sensibel. "
Israelis halten sich für sehr zynisch und verhärtet", meint
Hallahmi, "tatsächlich sind sie aber die größten
Trottel der Welt." Wahre Gläubige sind davon überzeugt,
daß dramatische Ereignisse bevorstehen. Ein Zwischenfall ließ
sogar die Polizei aufhorchen. Vor dem Morgengrauen gingen am Dienstag
vergangener Woche bei der Notrufzentrale in Tel Aviv Dutzende Anrufe von
Menschen ein, die über dem Vorort Ramat Aviv ein glühendes Objekt
zu sehen glaubten. Polizeisprecher Gadi Doron berichtet, selbst Beamte
hätten wie Hunderte andere von einem ungewöhnlichen Licht am
Nachthimmel gesprochen.
Fragen
bleiben auch im Fall von Uri Sachow, dem Rentner, der auf dem Weg zur
Post nach eigener Darstellung bei den Haaren und am Kragen gepackt und
in ein eiförmiges Raumschiff gezerrt wurde. Seine Kidnapper seien
grün gewesen, hätten ihm bis zur Brust gereicht und unverständliche
Laute von sich gegeben, erzählt Sachow.
Die
Wissenschaftler, die den gelben Staub untersuchten, stellten einen Aluminiumgehalt
von 55 Prozent fest. Das Labor schickte Proben an die US-Raumfahrtbehörde
Nasa. Laborchef Michael Kobi glaubt, wegen der ungewöhnlichen Zusammensetzung
des Staubes dürfe man die Ufo-Geschichten nicht einfach als Phantastereien
abtun. "Wenn man all diese Ereignisse kombiniert, stößt
man vielleicht auf etwas. "
Quelle:
"Weser Kurier" vom 24.09.96 |