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Datum:
02.09.1989
Ort: Russland, Woronesch
Die Polizei jagt einen fliegenden Tannenbaum
Berichte über Ufos in der Sowjetunion häufen sich TASS-Chefredakteur glaubt
nicht an Landung
MOSKAU (dpa). Das noch Immer umstrittene Ufo von Woronesch am Don zieht
in der sowjetischen Presse weitere Kreise. Die Moskauer Tageszeitung "Selskaja
Schisn" berichtete gestern, "weinrote Kugeln" seien bereits am 2. September
immer wieder über Woronesch aufgetaucht.
Viele Menschen in der 400 Kilometer südlich Moskaus gelegenen Stadt hätten
das unbekannte Flugobjekt gesehen, darunter auch gebildete Leute wie eine
Wirtschaftsexpertin, ein Ingenieur und ein Staatsanwalt.
Die amtliche Nachrichtenagentur TASS blieb auch gestern bei ihrer früheren
Darstellung der Vorgänge im Stadtpark von Woronesch. Der Stellvertretende
Chefredakteur von TASS, Igor Jefimow, meinte jedoch auf Anfrage, er glaube
nicht an die Geschichte. Der Korrespondent in Woronesch solle den Fall
"genau unter die Lupe nehmen". In ihrem englischen Dienst meldete TASS
unter der Überschrift "Die Amerikaner sind fasziniert von den fremden
in der UdSSR" Reaktionen zu dem Vorfall aus den USA.
"Selskaja Schisn" behauptete gestern wie zuvor schon TASS, örtliche, als
Wissenschaftler bezeichnete Experten hätten Ufo-Spuren im Park von Woronesch
gefunden. So hatten sie ein zweieinhalb Zentimeter breites und 37 Zentimeter
tiefes Loch entdeckt, aus dem die Besucher offenbar eine Bodenprobe entnommen
hätten.
Berichte über Ufos (unbekannte Flugobjekte) sind in letzter Zeit wiederholt
in sowjetischen Zeitungen aufgetaucht, vor wenigen Wochen sogar im Polizeibericht
einer russischen Kleinstadt. Damals hatte eine Streife mit ihrem Auto
einen "fliegenden auf dem Kopf stehenden Tannenbaum" verfolgt. Ohne Erfolg:
Der Tannenbaum war schneller .
Generell ist festzustellen, daß das übermenschliche in der Sowjetunion
Konjunktur hat. Mehr und mehr werden die Leser der Tageszeitungen mit
Wörtern wie "Biofelder" oder "Strahlungsenergie" vertraut gemacht. Vor
wenigen Tagen hatte der Wunderarzt Anatoli Kaschpirowski einen großen
TV-Auftritt. Blinde und Bettnässer habe er telepathisch geheilt, sagen
seine Anhänger.
Den Grund für die Hinwendung der Bürger zum Wunder sehen Experten darin,
daß positive Nachrichten in der UdSSR zu Mangel Ware geworden sind, statt
dessen eine relativ große Zukunftsangst herrscht.
Quelle: Südwest Presse vom 10.10.1989
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